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AutoIntell-Kompakttest   
von Manfred Bergmann

Neuer Porsche 911 Carrera – bester Elfer aller Zeiten

Nürburgring-Rundenzeiten, segeln auf der Autobahn und das Neunelfer-Paradoxon

von: Manfred Bergmann

Fans des Porsche 911, die es zahlreich rund um den gesamten Erdball gibt und die bereits beim Hören und Anschauen eines Elfers in Verzückung geraten, haben seit eh und je unabgesprochen eine Gemeinsamkeit: Sie lieben das scheidende Modell. Die Porsche-Ingenieure sollen einerseits bei einem neuen Neunelfer die unbestrittene Technologieführerschaft fortschreiben, andererseits soll um Himmels willen nichts geändert werden, weil er unsterblich bleiben soll. Quasi das Neunelfer-Paradoxon. Trotzdem: Dass die neue Modellgeneration des 911ers mehr als jede andere Können, Leidenschaft und einzigartiges technisches Know-how der Marke repräsentiert, davon konnten sich jetzt einige Journalisten bei einem Blick hinter die streng bewachten Kulissen der in der Nähe Stuttgarts gelegenen Porsche-Denkfabrik in Weissach überzeugen. Mit Daten und Fakten zu den Entwicklungsschwerpunkten Performance, Emotionen, Effizienz und Leichtbau belegten die Ingenieure, dass ihnen das vorab definierte Ziel gelungen ist, den besten Elfer aller Zeiten zu bauen.

 

Die Fahrleistungen, auch Performance genannt, haben beim neuen 911 Carrera, intern Typ 991 genannt, deutlich hinzugewonnen. Der um zehn Zentimeter längere Radstand, eine rund fünf Zentimeter breitere Spur, der fünf Millimeter niedrigere Schwerpunkt, das neue noch schnellere Fahrwerk und nicht zuletzt das neue Triebwerk sind wesentliche Garanten der gesteigerten Performance. Sie ergeben zusammen eine noch höhere Stabilität bei Längs- und Kurvengeschwindigkeiten. Hinzu kommen die einzigartigen Fahrdynamiksysteme.

Das Porsche Torque Vectoring PTV bietet dank Hinterachs-Quersperre und variabler Zuteilung der Antriebskraft an die Hinterräder im fahrdynamischen Grenzbereich höhere Traktion und Stabilität. Die völlig neue Porsche Dynamic Chassis Control PDCC kompensiert in Kurven nahezu die Seitenneigung und positioniert die Reifen optimal zur Fahrbahn. Dadurch können höhere Kurvengeschwindigkeiten gefahren werden, weil die Reifen höhere Seitenkräfte zulassen.

 

Die elektronische Verstellung der Stoßdämpfer und die Hinterachssperre machen dank des Porsche Active Suspension Management PASM das Fahrverhalten im Grenzbereich noch kalkulierbarer. Das Fahrzeug bleibt besser in der Spur. Die dynamische Motorlagerung Porsche Active Drivetrain Mount PADM verhärtet bei sehr dynamischer Fahrweise im Rennstil die elastische Motorlagerung. Dadurch bleibt der Carrera im Alltag komfortabel und auf der Rennstrecke verbessert sie die Traktion beim Beschleunigen. Der 911 Carrera kommt schneller aus den Starlöchern, weil nachgewiesen ist, dass rollende Reifen mehr Vortrieb übertragen können als durchdrehende Pneus. Kurz: Rollen ist schneller als rutschen.

Der Begriff Effizienz spielte im Automobilbau keine große Rolle, als 1963 der Ur-911 als Typ 901 mit 130 PS Leistung, 9,1 Sekunden Sprintzeit von null auf 100 km/h und rund zehn Liter Verbrauch auf 100 Kilometer startete. Der neue Porsche Carrera 911, intern Typ 991 genannt, leistet je nach Modell 350 und 400 PS, beschleunigt in rund vier Sekunden auf Tempo 100 und begnügt sich im heutigen EU-Messzyklus NEFZ mit 8,2 bis 8,7 Liter je 100 Kilometer. Fazit: Trotz dreifacher Leistung und halbierter Sprintzeit des neuen Elfers sinkt sein Verbrauch. Das neue Sechszylinder-Boxertriebwerk tritt mit 3,4 statt bisher 3,6 Liter Hubraum an. Trotz dieses so genannten Downsizing-Prinzips liefert es noch einmal 15 PS mehr als bisher. Auch das Drehmoment steigt an. Nicht allein Verbesserungen am und im Motor wie optimierte Benzindirekteinspritzung, rechnergesteuertes VarioCam Plus-System mit Nocken- und Ventilhubverstellung und Motorleichtbau, führen zu erhöhter Effizienz. Auch bis zu 19 Prozent niedrigere Drehzahlen bei gleicher Geschwindigkeit dank des weltweit ersten Siebengangschaltgetriebes und des neuen Porsche-Doppelkupplungsgetriebes PDK minimieren den Verbrauch.

Mit wachsender Geschwindigkeit fordert der Luftwiderstand zunehmend seinen Tribut: Er ist dann der dominierende Verbrauchsfaktor. Die neue noch windschlüpfigere Karosserieform mit glattflächigem Unterboden verbessert ebenso die Aerodynamik wie der neue Spoiler mit unterschiedlichen Luftüberströmungswinkeln. Bei höherem Tempo sorgt er für ein satteres Aufliegen des Hecks auf der Straße. Der Spoiler fährt bei Tempo 120 aus und bei Tempo 80 wieder ein. Nicht zuletzt sinkt das Gesamtgewicht dank intelligenten Leichtbaus um 45 Kilogramm und erreicht ein konkurrenzlos günstiges Gewicht. Immerhin bringt der leichteste Mitbewerber mehr als 100 Kilogramm zusätzlich auf die Waage.

„Aus jedem Tröpfchen Kraftstoff die höchste Leistung erzielen“, so lautet die Devise der Marke Porsche. Zahlreiche Faktoren beeinflussen den Verbrauch. Die Porsche-Ingenieure haben sie beim neuen 911 alle akribisch untersucht. Konkrete Zahlen zeigen die Summe aller Anstrengungen, die sich zu insgesamt 1,5 Liter Einsparungen addieren.

Die elektromechanische Servolenkung spart 0,10 Liter pro 100 Kilometer dadurch ein, dass sie nur dann Strom verbraucht, wenn sie zu einem Lenkvorgang aktiviert wird. 90 Prozent der Fahrtzeit, so die Statistik, lenken Piloten ihr Fahrzeug ohnehin geradeaus. Ebenfalls 0,10 Liter weniger Verbrauch gehen auf das Konto neuer Reifen mit niedrigerem Rollwiderstand. Optimierte Strömungsverhältnisse in der Ansaugstrecke und im Abgastrakt des Motors reduzieren den Verbrauch um weitere 0,10 Liter auf 100 Kilometer. 0,15 Liter Ersparnis bringt die Bordnetz-Rekuperation. Darunter verstehen die Fachleute die Rückgewinnung von Energie beim Verzögern des Fahrzeugs, die zur Aufladung der Batterie verwendet wird. Andernfalls müsste von der vom Motor erzeugten Antriebsenergie ein Teil zum Laden der Batterie abgezweigt werden.

Um 0,20 Liter pro 100 Kilometer sinkt der Verbrauch dank eines neuen klug gesteuerten Kühlkreislaufs für Motor und Getriebe. Beide Aggregate erreichen nach dem Start schneller ihre Betriebstemperatur, bei der sie optimal arbeiten. 0,25 Liter je 100 Kilometer darf sich die Abteilung Gesamtfahrzeug gutschreiben. Die Konstrukteure der noch stabileren Karosserie senkten deren Gewicht um 45 Kilogramm durch den Einsatz modernster Werkstoffe. Vorder-, Mittel- und Hinterwagen bestehen jetzt überwiegend aus Aluminium.

Den dicksten Brocken liefert die neue Start-Stopp-Funktion, ein Novum im Sportwagenbau. Rund 0,60 Liter Einsparung auf 100 Kilometer stehen zu Buche. Im Fahrzeugstillstand schaltet die Start-Stopp-Funktion den Motor ab und beim Anfahren automatisch wieder an.

Zusätzlich können Fahrerin oder Fahrer des Carrera eine Menge Kraftstoff und Geld sparen, wenn das Auto segelt. Bis zu einem Liter pro 100 Kilometer sind ohne weiteres drin. Beim Segeln rollt das Auto antriebslos dahin, angesichts der verringerten Fahrwiderstände durch Trennung von Motor und Getriebe über recht lange Distanzen. Dabei nutzt das Auto seine Bewegungsenergie und wandelt sie in Strecke um. Der Motor ist beim Segeln nicht vollständig von der Benzinzufuhr abgeschnitten, wie das bei der bekannten Schubabschaltung geschieht. Typische Fahrsituationen für das Segeln sind längere, ebene Strecken, die mit gleichbleibendem Tempo gefahren werden sollen oder auf denen das Auto bis zu einer Ampel oder einem Tempolimitschild ausrollen soll. Bei leichtem Gefälle kann im Segelmodus das Tempo beibehalten, bei stärkerem Gefälle sogar erhöht werden.

Die Emotion kommt bei Porsche neben den technischen Anforderungen als dritte Dimension hinzu. Sie steht für das Design, den Sound und die Rückmeldung des Fahrzeugs von der Straße zum Fahrer. Der Sound ist eine Komposition aus unterschiedlichen Botschaften.

Die mechanischen Motorgeräusche bestehen primär aus hohen Frequenzen und vermitteln Zuverlässigkeit und Drehfreude. Die tieferen Frequenzen der Ansauggeräusche machen beim Gasgeben für den Fahrer die Dynamik erlebbar. Das gilt ebenso für die Abgasgeräusche. Die Ansauggeräusche sind eher leise und senden ihr Programm ins Fahrzeug, während die Abgasgeräusche auch außen wahrgenommen werden. Die Aufgabe der Akustik-Ingenieure bestand darin, alle Geräuschquellen im neuen Carrera wie die Instrumente eines Orchesters aufeinander wohlklingend abzustimmen.

Ein neuer Sound Symposer greift die Ansaugschwingungen zwischen Drosselklappe und Luftfilter des Boxermotors ab, verstärkt Schwingungen des Triebwerks und überträgt den Klang über einen Akustikkanal im Bereich der Hutablage in den Innenraum. Im besonderen Sportmodus mit noch spontanerer Reaktion auf Gaspedaländerungen initiiert bei Gaswegnahme die Abgasanlage durch Verstellung der Zündung in Richtung „spät“ ein charakteristisches Blubbern des Motors. Bei höheren Drehzahlen wird die Gaswegnahme akustisch durch ein gewolltes so genanntes Backfire untermalt. Der Begriff stammt noch aus der Zeit, als Motoren sich unaufgefordert Fehlzündungen von nicht verbranntem Kraftstoffgemisch im Auspufftopf erlaubten.

Als unbestechlicher Gradmesser für einen Sportwagen gilt der Nürburgring. Beschleunigen, Bremsen, Stabilität und Agilität, alles, was ein Hochleistungssportwagen kann, lässt sich an den Rundenzeiten der Nordschleife ablesen. Das Ergebnis ist eindeutig. Der neue Carrera 911 umrundet den Kurs der Grünen Hölle in 7:40 Minuten – 14 Sekunden schneller als der Vorgänger. Damit avanciert Typ 991 zum besten Elfer aller Zeiten. Jetzt müssen die 911er-Fans sich entscheiden.

Photos: Porsche

(26. Oktober 2011)


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